Berlin-Brandenburger Forschungsplattform BB3R

Aufbau einer Immunologie-Testplattform

Das Deutsche Tierschutzgesetz fordert, dass ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden muss. Die Haltung von zu Versuchszwecken verwendeten Mäusen ist auf ein Höchstmaß standardisiert. Unter diesen Bedingungen kann das Auftreten sogenannter Stereotypien beobachtet werden. Stereotypien werden im Allgemeinen als Abweichungen vom Normalverhalten verstanden und als Bewegungsmuster definiert, die wiederholend, ohne Abweichungen in der Ausführung und ohne erkennbaren Nutzen oder zielführend für das Tier zu sein scheinen. Der FVB/N-Mausstamm weist verschiedene Formen von Bewegungsstereotypien auf. Vorherrschend sind das „circuit running“ (kreisförmiges Rennen entlang des Käfigbodens), „backflipping“ (das Verrichten von Loopings unter Einbeziehung des Käfiggitters) und „wire gnawing“ (vehementes Knabbern am Käfiggitter).

Veränderte Haltungsbedingungen („environmental enrichment“) für Labortiere haben bereits zur Reduzierung der Prävalenz von Stereotypien beigetragen, dennoch kommen sie weiterhin vor. Da das Verhalten eines Tieres in hohem Maße auch dessen Metabolismus und Immunsystem beeinflusst, können Unterschiede im Umgang und der Haltung ausgeprägte Effekte auf das Tierverhalten haben und so bei identischem Versuchsaufbau zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Daher ist es von herausragender Bedeutung, bestmöglich zum Wohlbefinden eines Versuchstieres beizutragen (3R-Refinement). Allerdings reicht das Wissen hinsichtlich der ethologischen Besonderheiten und der damit verbundenen Bedürfnisse von Tieren noch immer nicht aus, um das Auftreten von Stereotypien grundsätzlich vermeiden zu können.

Die Ergebnisse dieser Arbeit sollen zusammengenommen dazu beitragen, die Stereotypie an sich und die möglichen Umstände, die zu einer derartigen Verhaltensänderung beitragen, zu verstehen und zu erkennen und Empfehlungen für die zukünftige Haltung von Mäusen in Versuchseinrichtungen und die Belastungseinschätzung auszusprechen.

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