Berlin-Brandenburger Forschungsplattform BB3R

Entscheidungsgrundlagen für die Zulassung von Mehrfachversuchen an Großtieren

Die vom neuen Tierschutzgesetz geforderte konsequente Umsetzung des 3R-Prinzips bei der Verwendung von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken erfordert für das Refinement der Versuchsbedingungen detaillierte Kenntnisse der anatomischen Besonderheiten der Tiermodelle. Schweine und insbesondere das Minipig, welches in Europa zu den am häufigsten in der biomedizinischen Forschung eingesetzten Großtiermodellen gehört, werden u.a. im Rahmen der Entwicklung neuer Operationsverfahren sowie zur Prüfung chirurgischer Materialien eingesetzt. Anfragen von experimentellen Operateuren zu anatomischen und histologischen Details der Tiere (z.B. Gefäßverläufe, Maße von Skelettelementen, Faszienstärken, Segmentanatomie parenchymatöser Organe u.a.) können häufig selbst durch intensive Literaturrecherchen nicht beantwortet werden, da keine Daten existieren. Durch die lückenhaften Kenntnisse der anatomischen und histologischen Charakteristika dieser Tiere im Wachstumsverlauf sind experimentelle Eingriffe derzeit häufig von Momententscheidungen geprägt und scheitern nicht selten.

Ziel der Arbeiten am Institut für Veterinär-Anatomie der Freien Universität Berlin ist daher die Akquirierung systematischer Daten zur Anatomie verschiedener Organsysteme des Schweines mittels bereits vorhandener computertomographischer Datensätze unterschiedlicher Altersstufen. Es sollen Aussagen getroffen werden zur Vergleichbarkeit anatomischer Strukturen des Schweins als Tiermodell für den Menschen und eine Datenbank der speziellen Anatomie des Schweins etabliert werden. Die Arbeiten sollen in Kooperation mit Dr. med. Niehues, Charité Campus Benjamin Franklin und PD Dr. med. vet. Bernhard Hiebl, Leiter des Bereichs Tierforschung und Tierschutzbeauftragter der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität in Halle sowie Prof. Dr. Leo Brunnberg, Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere des Fachbereichs Veterinärmedizin der FU Berlin, erfolgen. Durch Kenntnis der detaillierten Anatomie und Auswahl geeigneter Altersklassen soll zum Refinement bei Eingriffen zur Entwicklung von Medizinprodukten wie z.B. Gefäßprothesen beigetragen und letztendlich eine Reduktion der Tierzahlen herbeigeführt werden.

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